31 / 01 / 07

Ihre Hand


Marimba und Oud lullen mich ein, geben Händen hinter Tresendünsten den Takt vor, der sie haltlos Ziegenkäse und Salat einrollen lässt. Ich muss noch warten. Schlüpfe durch das Glas in den Türspalt, in dem eine Hand Kartoffeln schält, eine Hand, die geschickt der Frucht die Haut abzieht, dass ich nicht wegsehen kann. Meine Augen liegen auf der Hand, die schält und schneidet, meine Augen greifen die Hand und schälen die Frucht, schneiden das Fleisch, schlagen den Rahm. Hand in Hand. Es ist ihre Hand, ihre Hand, die mir am anderen Morgen von Saxophon und gestrichenem Besen geführt Zucker anbietet, Zucker, den ich nicht will. Ich wollte noch nie Zucker. Als ob sie es vergessen hat, der Worte willen. Worte, Worte, Worte, ein Herz aus Schaum und ein Lächeln im Raum, der nicht uns allein gehört und doch der einzige Raum ist, in dem Schäume nicht zergehen und Träume bleiben, die uns allein gehören.
Die Hand hört auf zu schälen, drückt die Klinke und der Raum zergeht, im Türspalt ein Mann mit schönen Händen.


forget everything and remember > video

28 / 01 / 07

A Grey's Anatomy


Mein Kühlschrank ist mit Milch gefüllt. Zwei volle Milchtetras dösen in unangetasteter Stasis im obersten Regal, zwei stehen wiederverschlossen in der Tür und eher abseits von ihnen eine dritte, von der ich nicht wissen will, ob ihr letzter Schluck noch hält. Auch weil sie sich bläht, sich blähende Verpackungen waren mir schon immer unheimlich.
Es ist entsetzlich grau heute draußen, an solchen grauen Sonntagen brauche ich jeden Schluck Milch, der mir noch bleibt, weiße Milch im schwarzen Kaffee. Ein Sonntag ohne Milch ist ein schwarzer Sonntag, Sonntage, an denen ich nach dem Aufwachen den Kühlschrank öffne und keine Milch sehe, sind zunächst sehr schlimm.
Grau. Der Himmel sieht wie Hamburg aus, und die Luft ist so nass wie Bremen. Farben gibt es nicht, nur Grau in allen Sorten, Graustufen bis zum Horizont, der zum Greifen nah ist, so nah, dass ich auf ihm balancieren und mich abrutschen lassen kann, wenn ich es nur will. Ja, ich will.
Mich fallen lassen und nicht mehr landen, in grauen Mezzaninen schweben bis zum Exzess. Trägheit kriecht, samtig unter Grau singt sie von einem Tränentropfen, der Milch schwarz werden lässt und Ich falle, falle aufwärts, bin wieder außer mir im Tempodrom und tanze das Grau weg.

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massive attack - black milk / teardrop
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inertia creeps.


25 / 01 / 07

Andy where's my fifteen minutes


Da Andy tatsächlich dem Andy aus der factory so sehr ähnelt und dabei nicht mal Andy heißt, bedanke ich mich herzlich bei der Redaktion vom Datum für die Papier gewordene Aufmerksamkeit und bei Andy fürs Ambiente.



I can't read and I can't write down
I don't know a book from countdown

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tin machine - i can't read

23 / 01 / 07

nichts, verstärkt


Einen ganzen Abend Zeit für alle diese Welt und dabei nichts gedacht und nichts gesehen. Das Schmatzen der Mitbewohnerin ist spektakulär laut, richtig laut, laut lässt sie sich in die Kissen fallen. Guckt. Ich Gucke. Aus dem Fenster auf die Straße, die einen Knick macht. Das Licht hier ist scheiße, so jetzt ist es besser, sogar ziemlich gut. Alles ist ruhig, meine Nachbarn leben wahrscheinlich nicht mehr, nur noch ich in diesem alten brüchigen Haus, nur noch ich in dieser Straße, in dieser Stadt, alle weg und nie da gewesen. Musik hat es nie gegeben, ich weiß nicht was ich mit dem Knopf an der Musikkiste anfangen soll, unter dem Power geschrieben steht, kann ihn ja mal drücken. Stromkreise schließen sich, so laut wie ein Klopfen an der Tür. Noch ein Druck und noch einer und noch einmal und noch einer, ein und aus. Schalt mich ein, schalt mich aus, lass mich rein, lass mich raus. Gefüllter Aschenbecher auf alter Eiche unter brüchigem Stuck, irgendwo dazwischen ich, nur ich. Asche fällt.
Die Mitbewohnerin räkelt sich bauchfrei in den Kissen, ganz leise, alles von sich gestreckt zuckend und träumend, horcht auf, hört auf zu schlafen und niest so laut. Wieder Schmatzen. Ich gehe in die Küche, mache Wasser heiß und lasse kochen, gieße auf braunes duftendes Pulver, stark. Nachbarn kommen nach Hause, ich drücke den Knopf, ganz.

Verstärker

21 / 01 / 07

to be


the doors - wintertime love

Wintertime winds blow cold the season
Fallen in love, I'm hopin' to be
Wind is so cold, is that the reason?
Keeping you warm, your hands touching me

Come with me dance, my dear
Winter's so cold this year
You are so warm
My wintertime love to be

Winter time winds blue and freezin'
Comin' from northern storms in the sea
Love has been lost, is that the reason?
Trying desperately to be free


To be, to be, to be, to be.
Or not to be...





Und Winternachtsträume sind sowieso auch gar nicht anders als Sommernachtsträume. Das Ende vielleicht.
Also weiter mit der eine mag eine, die den anderen liebt, der die andere begehrt, die den einen will.

Also not to be.
Ach ja.
Und das alles ist wiederum auch gar nicht nicht frei von Komik und tragisch eh nicht, drum warten wir doch einfach auf den Frühling. Der letzte war ja so gut. Bisschen kurz vielleicht, weil ich unbedingt Herbst haben wollte.

Und Madame, das war zwar nicht eben damenhaft yesterday, so ganz ohne Namen. Aber sonst, nett.


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the cure - catch


yes i sometimes even tried to catch her
but never even caught her name

18 / 01 / 07

Tanze kleiner Roboter, tanze


...und höre nicht auf zu tanzen.


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Und wer weiß, eines Tages...


(Das ist übrigens Elastoman, eigentlich "The Elongated Man", einer der unbekannteren Superhelden der "Justice League" der die ganzen Cracks wie Superman, Batman, Grüne Leuchte undsoweiter angehören)

Medienporno


Ein Abend mit RTL. Zuerst Superstarcasting mit den üblichen hybrisierenden Trotteln, dann "Einsatz in 4 Wänden Spezial", das dieses Mal einer mehrgenerationigen gecasteten siebenköpfigen Familie inklusive Rollstuhlopfer zu einem neu gestylten Heim verhilft. Die Armen. Vorher hatten sie zwar Platzprobleme, nun haben sie eine häßliche Wohnung mit nem Bett, das per Fernbedienung aus seinem Schrank rollt, nachdem das Computertischchen per Hand unter das andere Tischen geschoben werden muss. Sieht alles nach einer Ostblockversion von IKEA aus. Und wie sie sich freuen müssen, dem Herren im Rollstuhl wurde von der Regieassistentin noch schnell die Plüschmickymaus auf den Schoß drappiert.
Danach das Highlight, zum allerersten Mal schaue ich "SternTV" länger als 5 Minuten, Superstar des Abends ist die 15jährige, die von den 17jährigen als Geisel genommen worden ist, Jauch fährt die Videospielroutine und hakt sie unbefriedigt ab, Jauch sieht fertig aus, Jauch würde lieber polittalken, Jauch hat einfach keinen Bock. Die Kleine kann kaum ihre Augen offen halten, bleibt gelassen, artikuliert sich klar und sieht so müde aus, sie haben sie vorher sediert. Keine Emotionen. Auch nicht bei den beiden 17jährigen, wie sie sagt. Und das ist das Ende für jede Show, keine Emotionen. Geil auf Tränen, Zusammenbrüche und Ausraster schaut Deutschland dem schwitzenden Jauch beim Stochern zu. Keine Befriedigung, keine Final Fantasy.

10 / 01 / 07

...


Ich weiß nicht nur eine Menge über Dinge, die mich nicht interessieren, ich weiß sogar noch weniger über eine Menge DInge, die mich interessieren.

Status

Online seit 7234 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2, 22:17

...
building buildings
everything in its right place
forget everything and remember
girl boy
nothing
offbeat
speed of sound
streets
the village
time, it's time
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