14 / 02 / 07

Kirschsaft


Pauschalisierend gesagt sind Arzthelferinnen die Groupies unter den Arbeitnehmerinnen.
Ziehe einen weißen Kittel an und schon gibt's ein Mon Chéri.
Widerliches Zeugs.
Gesten aus dem Mittelalter der Sexualisationspraxis.

Ich sollte vielleicht Medizin studieren.


new model army - white coats (aus der Abteilung Erinnerungswochen)

Fischmusik


Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden...

Mit der Berliner Ringbahn zu fahren ist nicht immer leicht, ein Karussell der Finsternis und der Trübsal, in dem Gedankenwelten Tausender in den Waggons Platz nehmen, zusammengepresste Sardinen. Kaum einer sagt ein Wort, nur Blicke sprechen die Sprache der Träume der Rentner, Arbeitslosen und Hartzmenschen, und auch die Blicke der Studenten und der wenigen verbliebenen Erwerbstätigen sprechen von Wünschen und Enttäuschungen, jeder Augenaufschlag ein unausgesprochenes Gefühl, jeder Blick durch die Fenster eine Flucht.

Blicke, die die Sprache der Frustration und der Sehnsucht unter Kopfhörern verstecken wollen und durch die Droge Musik jedem zugänglich werden.
Die Hure Walkman, sagte mal jemand, als es noch Kassetten gab.

Sardinenmusik, Ich kann nicht mehr ohne sie. Sie hilft mir die Gedanken der anderen zu vergessen, sie hilft mir den Lärm der Rentnerausflüge und Schulklassen und der Prolos zu ignorieren.





Diese Musik stammt noch aus der Zeit, in der Susumu Yokota hauptsächlich mit akustischen Instrumenten so etwas wie Ambient produzierte. In dem Booklet zu der CD schreibt er unter anderem, dass einige der Stücke die Ergebnisse bewusst unternommener Kokainexperimente seien, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt.


susumu yokota - kaiten mokuba
radiohead - Packt like sardines in a crushd tin box

12 / 02 / 07

Verwählt


Sie hat mich manchmal angerufen, am Abend, wenn es Sommer war und die Fledermaus durch die offenen Fenster im Innenhof huschte. Am Abend, wenn Ginsberg und Burroughs Lee und Thurston in die Hälse bissen und ihre Gitarren zum Bluten brachten, war es Sommer in der Schwärze einer Telefonmuschel, deren Biss mein Ohr so gern erlag.

Eine Szene aus allen französischen Filmen aus dem öffentlich-rechtlichen Nachtprogramm. Verwählt. Eine Nummer einer gemeinsamen Bekannten ohne dass wir uns kannten führte sie zu mir und ließ sie erzählen, reden und schweigen. Manchmal hat sie mich angerufen, sie hat sich manchmal am Abend verwählt, wenn die Dunkelheit sie zum Hörer greifen und erzählen ließ.

Zwei Unbekannte mit einer gemeinsamen Bekannten, auf deren Party sie ihren neuen Freund kennengelernt hatte, der meinen Namen trug und die gleichen Instrumente spielte.

Nur eine Stimme.

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sonic youth - karen koltrane / small flowers crack concrete

11 / 02 / 07

Lichter der Straße


Spiegelglatt. Die Mitbewohnerin nimmt keine Rücksicht auf meinen Unwillen und will in der Pampe da draußen spielen und alles vollpampen. Soll sie doch, meinetwegen, in solchen Momenten kenne ich sie nicht. Das letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, ist gesprächsbedürftige Hundebesitzerkonservation, am schlimmsten sind die mit den Welpen.

Welpe schnüffelt an einem frischen Haufen Hundepampe, Halterchen sagt "Haha, erstmal ein bisschen Zeitung lesen, mal schnüffeln, wer schon alles da war".
Schnauze.
Hundehalter sind eh mit Vorsicht zu genießen, viele haben letztendlich einen Schaden und schließen sich schließlich zu Hunderundecliquen zusammen, in denen sie zweimal täglich über Hundescheiße, Hundeschulen und Hundeschlägereien schwätzen.

Aber das ist gar nicht das Thema und hat mit dem Video nichts zu tun. Das Video ist ein Versuch zu elektronischer Musik einen Text aus den Lichtern der Straße zu schreiben und ich zeige es deshalb, weil ich diese Musik noch nie mit Lichtern assoziiert habe. Diese Musik ist eine der schönsten, die autechre jemals gemacht haben, zu finden auf der tri repetae, das einen sehr zugänglichen Einstieg in die Musik autechres und generell in elektronische Musik bietet. Die Bilder, die gerade "eutow" in mir entstehen lässt, sind erzählender und eindeutiger, kurze indifferente punktlose Dramen und Roadmovies ohne Anfang und Ende, ein surreales bebildertes Kreisen. Jemand anderes würde zu dieser Musik wiederum Wellenberge oder Bilder aus der Vogelflugperspektive zeigen. Und jemad anderes wieder etwas ganz anderes, worauf ich niemals käme.

So, Augen zu und Bilder an. Musik ohne Worte, luzides Träumen.


10 / 02 / 07

and if I die today...


...I'll be the happy phantom


Bin schönscheißfaul heute.
Und deshalb ist jetzt nichts besser als entspannte Kaffeeundkuchenmusik.
Ich werde alt. Wie schön. Endlich.


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nirvana - plateau



tori amos - happy phantom

07 / 02 / 07

Schlummermodus


Irgendwann ist ein Stadium der Müdigkeit erreicht, in dem einem nicht viel bleibt, als sich mehr und mehr gehen zu lassen und sich nur noch auf seine Wahrnehmung zu reduzieren.
Es ist ein Zustand des Wachens und des Träumens, der mir behagt, Denken ist nicht notwendig, Text gleitet ungefiltert über Netzhaut und Trommelfell, über Haut und Haar, wird aufgesogen und assimiliert. Vive la Trance.
Mir gefällt das Wort Schlafmohn, Mohn für sich ist schon ein wunderbar warm tönendes Wort, dessen Farbe gar nicht anders als rot sein kann. Tiefes warmes Rot, das ein leises und dunkles ist und in eine blühende Schwärze hinabgleitet, die keine dunkle ist. Mohn ist der Zustand hinter vor Müdigkeit zugefallenen Augen, wenn die Erschöpfung des Tages sprudelnder Schläfrigkeit weicht, die die Trailer des kommenden Traumschlafes auf der Leinwand geschlossener Lider vorführt.
Nicht wachend und nicht schlafend zappe ich mich im Schlummermodus durch die bewegten Bilder meiner Unbewusstheit.

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king crimson - starless (red)

Giftspritze




and I think I need a little poison

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throwing muses - bright yellow gun

06 / 02 / 07

Delay


In der letzten Nacht träumte ich von Dir und schaute heute in Dein Gesicht und fand keinen Traum.
Nur eine Erinnerung, wie ich mir einbilde.
Für einen Moment nur.
Einen nur.

Erinnern.
Hallendes Nichts.


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black sabbath - fairies wear boots

04 / 02 / 07

Kassettenmenschen


Autofahren, Autofahren, Autofahrer haben spezielle Compilations, die ihnen das Autofahren verschönern. Früher hieß das Mixkassette. Oder überhaupt Kassette, Kassetten wurden zu jedem Anlass hergestellt, sei es für die nächtliche Fahrt zur Dorfdisco, die je nach Standort des Stalls bis zu einer Stunde dauern konnte. Die Orte hießen dann zum Beispiel Hützel oder Riepe - oder wenn es uns furchtbar langweilig war, Wehldorf - und je nach Ortswahl wurde im Auto das Hützel- oder Riepe-tape (für Wehldorf gab es keines) gehört, wegen Einstimmen und so.

Oder sei es für die tägliche Fahrt zur Schule, die in meiner Abizeit zu den Highlights des Schultages gehörte, weil unser Chauffeur zwischen zerfetzten Tabakbeuteln, Papers und allerlei ranzigen Fastfoodverpackungen stets wunderbare Kassetten im Handschuhfach zu liegen hatte. Die Macht über die Auswahl des Guten-Morgen-tapes hatte allerdings unser Chauffeur, der je nach psychischer Verfassung entweder das Sisters of Mercy-tape oder das andere Sisters of Mercy-tape durchlaufen ließ, was mich nicht sonderlich störte, weil es unendlich besser war, fünf Tage hintereinander zweimal täglich "This Corrosion" zu hören als den Schulbus nehmen und 30 Minuten pubertierendes Geschrei ertragen zu müssen. Die meisten Verletzungen fügen sich Kinder übrigens in Schulbussen zu. In den drei Jahren morgendlicher Oberstufenschulfahrt lernte ich allerdings nicht nur die Sisters und Andrew Eldritch besser kennen, sondern auch Phillip Boa und die damals und noch Jahre danach hierzulande unbekannten Goo Goo Dolls, die zu der Zeit noch weitaus roher und punkiger aufspielten als in den letzten zehn Jahren. Mit den Goo Goo Dolls reiste ich Million Miles Away über den Road To Salinas und sagte zu ihr There You Are, um ihr zehn Lieder später vor Liebe kummernd Two Days in February vorzuhalten. Kassettenmädchen gab es ja auch. Stuckrad-Barre zum Glück noch nicht, obwohl seine Geschichte über das Kassettenmädchen schon doch eine schöne ist, doch doch.

Es gab auch ganz andere Autofahrer-Kassetten, Kassetten, die nur des Autofahrens willen bespielt wurden, zu deren Musik in Landstraßentempo Freunde eine Landpartie an milden Spätfrühlingssonntagen veranstalteten. Erinnerst Du Dich noch an das Brandloch, das ich überbekifft in Deinen Teppichboden brannte, als wir beschlossen alle sechs Doors-Platten hintereinander zu hören und genüsslich hysterisch lachend Jimbos Drogilyrik rezitierten? Father, I want to kill you, Mother I want to fuck you. Und an die Angst? Angst vor dem elterlichen Stress, wegen neuem Teppichboden und so. Inzwischen bist Du wahrscheinlich genauso spießig wie sie es waren, ich weiß es nicht, weil ich Dich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe, aber der Spießer in Dir, der lebte damals schon, heimlich und verschlagen, genährt und am Leben gehalten von Deinem Bedürfniss nach Statuserlangung. Und doch war da etwas an Dir, in Dir, Deine Kassetten im gesaugten Handschuhfach haben verraten, worüber Du genüsslich gelacht hast, Deine Lakaien haben verraten, was Du Deinen Freunden nicht erzählt hast.


Ocean wide, ocean wide
Calming down at last
Listening to the changing tides
Drawn to the past




deine lakaien - mindmachine

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sisters - black planet (es war ein Passat, damals, Schule)


sisters - dominion (und das hier kann ich gar nicht laut genug hören)

uh huh her


Sie ist überhaupt nicht perfekt, ihr Hals zum Beispiel ist nicht so zart wie der der anderen. Und auch ihr Bauch oder ihre Hüften fassen sich anders an, sind weniger gerundet, weniger geschwungen. Das Leben ist an ihr nicht spurlos vorbei gegangen, Narben und Risse auf ihrer Haut haben ihr zugesetzt und an ihrem Kopf ist so eine Stelle, wie retuschiert.
Nein, gut behandelt ist sie nicht immer worden, doch innen, in ihrem Innersten ist sie heil und unversehrt...

Ich kenne sie seit gestern. Sie ist ein leichtes Mädchen und auch dafür liebe ich sie jetzt schon. Und wenn sie so schnurrt und summt, dann ist es wie SIngen.

Und ihr Hals ist nicht so zart und nicht so weich und doch...


telecaster

uh huh her

Status

Online seit 7234 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2, 22:17

...
building buildings
everything in its right place
forget everything and remember
girl boy
nothing
offbeat
speed of sound
streets
the village
time, it's time
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