Mit der Peperoni auf der Zunge zergeht dann auch der letzte Rest narzisstisch rumgedingter Egomanie; scharfes Essen ist gut für den Bauch oder auch für die Verdauung, wie auch immer. Mit mir kann man es sich eigentlich ganz einfach machen, ganz bequem, gebe mir was leckeres zu essen und genieße neue Ausgeglichenheit. Einfach ist es ja doch nicht, bequem will ich nicht. Das viele Arbeiten ist es, das viele Arbeiten macht dünnhäutig, das klingt irgendwie nach Elefant. Nur gehe ich deshalb nicht früher schlafen, ich hätte nichts mehr vom Tag, vom Abend, an dem es kühler wird, ohne Abend geht es mir nicht gut. Gebe mir ein Uhr nachts und Du bekommst mich warm. Wenn es dunkel wird, wenn der Himmel blau und schwarz wird und das Licht hier gelb so gelb ist und der Bass über die weißen Wände rollt und das Klavier drüber tupft, ist es gut, es ist gut. Hier, dort und dazwischen Knistern, eine leere Flasche dort und ein offenes Fenster hier, dazwischen Knistern, von einer Schallplatte auch, zwischen wilden Herzen auch Knistern und Rauschen, Flüstern und Lauschen. Musik, wenn sie nahe ist, ist sie wie ein langer Kuss.
Aufwachen und Kaffee trinken und Radio einschalten und dieses hören und aus Fenster schauen und aktualisieren klicken und a little bit thinking of you und Sonntagmorgen patentieren.
Das letzte Mal, dass ich zu jemandem sagte, ich fühle mich leer, nein, ich fühle mich irgendwie leer, das letzte Mal war vor zehn Jahren oder so. Sie antwortete das ist nicht gut. Weil das eine beschissene Antwort war, habe ich mich seitdem nicht mehr leer gefühlt, ich habe mich einfach geweigert, das geht, das ist nicht schwer. Außerdem ist es einfacher sich voll zu fühlen als sich leer zu fühlen.
Satt bin ich nicht.
Leer ist der Boden unter meinen Füßen und leer sind auch die Schalen mit Kirschtomaten und Erdbeeren, Erdbeeren eben. Leer ist eigentlich alles hier, weil ich nicht satt bin, wie kann ich auch satt sein. Eben.
Wenn es nur nicht so still wäre.
Mit geschlossenen Augen ist es vielleicht leichter still zu sein, hinter geschlossenen Augen ist alles ganz nahe, so nahe wie ein um einen kleinen Finger gelegter Silberstreif.
Mancher Tag wird erst durch einen Satz oder nur ein Wort zu einem Tag. Alles in den Stunden davor war nichts, war nicht Tag, war nur Zwischenzeit. In der woanders ein Mensch zu einem anderen einen Satz oder nur ein Wort sagt, das Tag wird. Tag ist kein schönes Wort eigentlich, day ist besser, vielleicht. make my day. Oder auch have a nice day. Tag ist so schwer, festgelegt, fast einfach, nicht wie Nacht, die Nacht, die lange Nacht. Ich sollte schlafen, jetzt, nun. Und finde mein Feuerzeug nicht. Gleich.
Wissen Sie, weißt Du, ein Tag kann beschissen leer sein, aber dann ist er kein Tag, wir, also ich und ich, wir stellen das nun fest, weil leere Tage nichts sind. Nichts. Wir lamentieren hier nicht über verstrichene Zeit, nein, wir jammern auch nicht. Ich verabscheue Gejammer, wer jammert, der klammert. Call it Sehnsucht oder desire stattdessen, nenn es Traum oder Wunsch, ich nenne es Realität, denn die Realität kann nicht ohne call it Sehnsucht oder desire sein, ohne Wunsch und Traum ist der Mensch nichts als eine elende Maschine.
Und vielleicht bin ich Maschine, weil ich Sehnsüchte und Träume habe, vielleicht funktioniere ich nur ihretwegen, sowas weiß man ja nicht mehr so genau, seitdem es Film und Fernsehen gibt, aber ich weiß, denke, glaube, dass ich meine Träume leben möchte.
Auf dem Meeresboden steht der Regen still, so still. Wie kann er sich auch bewegen, wenn jede einzelne Wolkenfaser erstarrt unter der Oberfläche schwebt, weil die Zeit für einen Augenblick unendlichen Seins gestorben ist. Die Welt steht still, als der Himmel explodiert und die Zeit für einen Augenblick ihre Unendlichkeit für mich lässt. Ich erzähle Dir davon, obwohl ich da ganz allein bin auf dem Grün des Meeres, ich sage zu Dir siehst Du es auch und schaue zu den Wolken unter der Oberfläche, wie sie so still schweben, so still. Und schaue, ob sich Leben auf ihnen regt, weil auch Wolkenträume einmal still stehen können. Du musst es einfach sehen, sage ich zu Dir, sieh doch, wie die Donnerfunken die Wolkenstille schneiden, bis aufs Blut, bis es regnet. Und vorher der Wind, der Wind, der sie alle das Fürchten lehrte und Plastikmöbel von Balkonen auf den Boden schmetterte, dass es nur so knallte und krachte. Später auf dem Grün dann hinter dem Sternendach ist da kein Wind mehr und wie kann da auch Wind sein, wenn die Zeit stirbt und der Regen still auf meiner Haut steht und ich zum Himmel schaue und sehe, wie sich von einer Wolke die Fasern lösen und im Sonnenlicht versinken.