And if that's really just what normal people do
Aren't you proud to be a freak
Ein schönes Lied mit schönen Gitarren. Im übrigen stelle ich fest: es gibt wieder Wind. Gäbe es keinen Wind, hätte ich mich vielleicht schon auf den Meeresboden zurückgezogen, wo es immerhin Wasser in Hülle und Fülle geben soll. Auch von Seepferdchen und Rochen und Seesternen wird berichtet. Die habens gut, die müssen nicht so schwitzen.
Aber immerhin, der Wind kommt zurück und ich sitze am offenen Fenster und warte.
Pollen, Pollen fliegen heute tief, vernebeln die Sinne, zerstäuben Gedanken, verdichten Gefühle. Lassen meine Nase jucken und röten meine Augen, ein bisschen nur, nicht unangenehm, eher reizend, angenehm sogar.
Pollen verschleiern den Weg vor mir, ich gleite tief durch einen Nebel von dichtem Blütenstaub, in dem ich versinken möchte, der warm und weich wie Schnee ist. Tiefer.
Softer, softer everywhere
Fingertips are burning
my bloody valentine - soft as snow (but warm inside)
Später erinnerten sie sich daran, wie sie entschwinden wollten, weg von hier und dort, nur weg, nur in Himmels Richtung, und sie sahen sich an und lachten, weil schon der Gedanke daran sie zum Lachen bringen konnte. Sie lachten viel, merkten es nur manchmal nicht, und sie sahen sich an und sahen sich selbst, wie sie in Sonntagsgarderobe aufeinander warteten, erinnerten sich an den Tag, an dem es zum ersten Mal hell war, taghell wie ihre Stimmen.
Und sie sahen sich an und erinnerten sich der Regenzeit, der Zeit des wochenlangen Regens, in der ihnen beinahe nichts weiter blieb als in einem bäumernen Haus Unterschlupf zu suchen, für Stunden zunächst, für Tage alsbald, es blieb ihnen beihnahe nichts anderes, sie wollten nichts anderes als miteinander den Regen zu zersingen.
Und wenn einer von ihnen durch den Regen gehen musste, dagegen konnten sie nichts tun, sie konnten nicht für immer in dem Baumhaus sein und wenn einer von ihnen durch den Regen ging, konnte er es nicht immer hören, dass da jemand war, der für ihn den Regen zersang. Der Gesang war dann manchmal nur spürbar.
ich weiß jetzt auch wie es ist, wenn sich ein Stiletto in den Zeh bohrt. Ist nicht so geil. Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind scheiße, Menschen sind im allgemeinen eher nichts besonderes.
Sie waren bei ihm gewesen. Als er wieder kam, schlief sie wohl schon, träumte vom nächsten Tag. Der Raum roch nach Liebe, und er öffnete nicht erst die Fenster, sondern setzte sich auf den noch warmen Sessel und starrte leise auf das Telefon. Er sah, wie es roch, das Telefon, nach ihr roch, nach ihrer Stimme, die ihn flüsternd umarmte und ihm vorher noch auf der Haut gelegen hatte und Buchstaben um Buchstaben zeichnete und ihn Atemzug um Atemzug zerlegte, ihn flüsternd tötete, bis er sich nur noch auflösen konnte.
Er saß und dachte an ein später und ging zum Fenster, öffnete es und suchte ihre Stimme im warmen feuchten dunklen Wind. Legte sich zu ihr und wollte nie wieder freigelassen werden, flüsterte drei Worte und zwei Punkte.
Wieder warten. Warten bis es schwarz vor den Augen wird, schwarz wie Vinyl, das still krachend das Streichen der Nadel hinnimmt. Nie endende Drehungen um einen in trauter Schwärze vernadelten Gedanken, und es spielt keine Rolle, ob die Geschwindigkeit der Drehungen noch bei 33 1/3 liegt oder schon bei 45 angekommen ist, die Richtung ändert sich nicht. Wir wechseln die Platten, wir wechseln die Nadeln, wir schalten ein, die Drehung kommt, wir schalten aus, die Drehung vergeht nicht, sie lauert schon längst in deinem Ohr und wartet auf das Streichen der Nadel, die da irgendwann mal jemand in deinem Kopf justiert hat, aber wahrscheinlich bist es nur du selbst gewesen und bildest dir nur zu gerne ein, dass ein anderer, eine andere einst die Schwärze deiner Kreise jemals verstanden hat und sie irgendwann vielleicht sogar einmal mit sachter Hand berührte.
(wir sehen hier Blumfelds Distelmeyer als playbackenden Kamerun, auf Economy Class)
Von Blumfeld ist es alldieweil gar nicht weit zu den Goldenen Zitronen zu flanieren. Senor "Kamerun", mit vollem Namen "Schorsch Kamerun", Herrn "Kamerun" und seinen Jungs und Mädchen beliebt es seit geraumen Zeiten unser schönes dickes D zwischen Rhein und Oder mit verjazzten Punkliedchen zu beschallen, deren Texte sich überaus politisierend und unkaderhaft des deutschen Politpornos und seiner Medialisierung annehmen.
Polemisch auch und auch intellektuell wegen benachbarter Hamburger Schule und so, das ist halt so bei denen. Aber groß tönende Sätze wie "Pack die Lichterkette ein, nimm dein kleines Schwesterlein" aus dem Titelstück "Das bisschen Totschlag" oder auch die Wortspielerei "ein zerfetzter Schleyer" aus dem RAF-thematisierten "6 gegen 60 Millionen" sind nun mal in Tönen verpackt, die tatsächlich groß sind. Und die bleiben immer besser.