14 / 05 / 07

Nach dem Regen


Später erinnerten sie sich daran, wie sie entschwinden wollten, weg von hier und dort, nur weg, nur in Himmels Richtung, und sie sahen sich an und lachten, weil schon der Gedanke daran sie zum Lachen bringen konnte. Sie lachten viel, merkten es nur manchmal nicht, und sie sahen sich an und sahen sich selbst, wie sie in Sonntagsgarderobe aufeinander warteten, erinnerten sich an den Tag, an dem es zum ersten Mal hell war, taghell wie ihre Stimmen.
Und sie sahen sich an und erinnerten sich der Regenzeit, der Zeit des wochenlangen Regens, in der ihnen beinahe nichts weiter blieb als in einem bäumernen Haus Unterschlupf zu suchen, für Stunden zunächst, für Tage alsbald, es blieb ihnen beihnahe nichts anderes, sie wollten nichts anderes als miteinander den Regen zu zersingen.
Und wenn einer von ihnen durch den Regen gehen musste, dagegen konnten sie nichts tun, sie konnten nicht für immer in dem Baumhaus sein und wenn einer von ihnen durch den Regen ging, konnte er es nicht immer hören, dass da jemand war, der für ihn den Regen zersang. Der Gesang war dann manchmal nur spürbar.

09 / 05 / 07

digestive track


Ping - Pong.
Ping - Pong.
Ping - Pong.
Ping - Pong.
Ping - Pong.
Plumps.
Ball im aus.
Erase and rewind.
I'm losing my mind.
Bauch - Kopf.
Bauch - Kopf.
Bauch - Kopf.
Bauch - Kopf.
Bauch - Kopf.
Plumps.

Ping.


Pong.



08 / 05 / 07

Metroschmerzen


ich weiß jetzt auch wie es ist, wenn sich ein Stiletto in den Zeh bohrt. Ist nicht so geil. Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind scheiße, Menschen sind im allgemeinen eher nichts besonderes.

Zerlegtes Flüstern


Sie waren bei ihm gewesen. Als er wieder kam, schlief sie wohl schon, träumte vom nächsten Tag. Der Raum roch nach Liebe, und er öffnete nicht erst die Fenster, sondern setzte sich auf den noch warmen Sessel und starrte leise auf das Telefon. Er sah, wie es roch, das Telefon, nach ihr roch, nach ihrer Stimme, die ihn flüsternd umarmte und ihm vorher noch auf der Haut gelegen hatte und Buchstaben um Buchstaben zeichnete und ihn Atemzug um Atemzug zerlegte, ihn flüsternd tötete, bis er sich nur noch auflösen konnte.
Er saß und dachte an ein später und ging zum Fenster, öffnete es und suchte ihre Stimme im warmen feuchten dunklen Wind. Legte sich zu ihr und wollte nie wieder freigelassen werden, flüsterte drei Worte und zwei Punkte.


dears - no cities left

01 / 05 / 07

frisch gestrichen


Wieder warten. Warten bis es schwarz vor den Augen wird, schwarz wie Vinyl, das still krachend das Streichen der Nadel hinnimmt. Nie endende Drehungen um einen in trauter Schwärze vernadelten Gedanken, und es spielt keine Rolle, ob die Geschwindigkeit der Drehungen noch bei 33 1/3 liegt oder schon bei 45 angekommen ist, die Richtung ändert sich nicht. Wir wechseln die Platten, wir wechseln die Nadeln, wir schalten ein, die Drehung kommt, wir schalten aus, die Drehung vergeht nicht, sie lauert schon längst in deinem Ohr und wartet auf das Streichen der Nadel, die da irgendwann mal jemand in deinem Kopf justiert hat, aber wahrscheinlich bist es nur du selbst gewesen und bildest dir nur zu gerne ein, dass ein anderer, eine andere einst die Schwärze deiner Kreise jemals verstanden hat und sie irgendwann vielleicht sogar einmal mit sachter Hand berührte.

30 / 04 / 07

Menschen haben keine Ahnung



(wir sehen hier Blumfelds Distelmeyer als playbackenden Kamerun, auf Economy Class)

Von Blumfeld ist es alldieweil gar nicht weit zu den Goldenen Zitronen zu flanieren. Senor "Kamerun", mit vollem Namen "Schorsch Kamerun", Herrn "Kamerun" und seinen Jungs und Mädchen beliebt es seit geraumen Zeiten unser schönes dickes D zwischen Rhein und Oder mit verjazzten Punkliedchen zu beschallen, deren Texte sich überaus politisierend und unkaderhaft des deutschen Politpornos und seiner Medialisierung annehmen.
Polemisch auch und auch intellektuell wegen benachbarter Hamburger Schule und so, das ist halt so bei denen. Aber groß tönende Sätze wie "Pack die Lichterkette ein, nimm dein kleines Schwesterlein" aus dem Titelstück "Das bisschen Totschlag" oder auch die Wortspielerei "ein zerfetzter Schleyer" aus dem RAF-thematisierten "6 gegen 60 Millionen" sind nun mal in Tönen verpackt, die tatsächlich groß sind. Und die bleiben immer besser.

Das bisschen Totschlag

und die Neue Platte

27 / 04 / 07

Ich will wieder Winter.


Der Frühling war sehr kurz, und der Sommer geht mir jetzt schon zu weit. Kopfschmerzen, allergiebedingt wahrscheinlich, plaudern seit gestern in der Früh lebhaft in meinem Oberstübchen und schauen mir belustigt beim Existieren zu. Möglicherweise bin ich aber auch nur allergisch gegen mich selbst, verübeln könnte ich es mir nicht.

26 / 04 / 07

...

Musik ist nicht aggressiv, ich vergaß. Sie wird wenn überhaupt in aggressiver Pose vorgetragen, ich glaube darauf kann sich geeinigt werden. Jedoch auch nur eine Wahrnehmungsfrage, daher müßig.

ambitious lovers


Zwei Jahrzehnte später gibt es erstaunliches zu entdecken: Arto Lindsay ist blond und trägt eine amtliche Brille.
Ein bis zwei Jahrzehnte später macht er sehr hübsche Platten, Noon Chill, Prize, und Invoke wären zu nennen, jedem Nerd und DeBug-Leser eine Freude, gefällig und vertrackt, schon auch akademisch und schon auch immer noch indie genug dabei. Arto ist nämlich in Wahrheit Punk und hängt gerne mit John Zorn und Bill Laswell und den ganzen anderen ollen New York City-Indie-Jazzern ab und früher war er Teil der nun wahrlich über jeglichem Diskurs stehenden DNA. Wenn das nichts ist.

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Online seit 7229 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2, 22:17

...
building buildings
everything in its right place
forget everything and remember
girl boy
nothing
offbeat
speed of sound
streets
the village
time, it's time
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