01 / 10 / 10

Stereotypenroutine

Ja, manches ändert sich doch, vor schätzungsweise vier Jahren bin ich in diese Wohnung gezogen und schrieb über den Fettwind und einen alten Mann, von dem nur noch Erinnerungen und ein siebenarmiger Leuchter übrig sind. Und Bilder und zwei Trompeten, auf denen ich nicht spielen kann. Der Fettwind lebt immer noch und mittlerweile hänge ich sogar ein wenig an ihm, immerhin begrüßt er mich Tag für Tag, wenn ich das Haus verlasse und wartet geduldig wie meine Hündin auf meine Rückkehr, acht Stunden später.

Der Fettwind wird umziehen, so heißt es, und mit ihm werden die twentyfourseven-HartzVier-Bierjunkies gehen, deren lautes Gellen ich so oft in den Sommernächten verfluche. Aber wir werden uns wiedererkennen, so wie wir es jetzt schon tun, im Ekel-Penny in der Prenzlauer oder im traumhaften Kaisers in der Wins. Ja, heute sah ich dort einen von ihnen, ich wunderte mich erst, dass der Kaisers das bierschwitzende Fettgesicht überhaupt in sich eindringen ließ, doch Fett ist schlau, Fett bringt Pfand und bekommt Geld.

Einkaufen in Supermärkten ist immer noch eine meiner liebsten Freizeitaktivitäten, Leuten beim Einkaufen zuzuschauen ist eine großartige Sache, und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr das Schwarzbrot mit den rotgefärbten Haaren auf dem size zero Körper harmoniert oder die Hähnchenschenkelpfanne sich wohlig unter der breiten Achsel des Schnauzbartes verzehrt.
Du bist, was du ist, oder so.

13 / 06 / 10

stand still

...

Vorrundenaus

24 / 12 / 09

Dispersion

Stunden zerinnen wie der dickflüssige Senf aus der Drücktube in den Händen des Imbissmädchens, dem die Tube viel zu dick. Sie schafft es nicht, sie mit ihrer Hand zu umfassen. Trotzdem kleckst der Senf auf das Fleisch. Dispersionsfarbe.

Stunden zerinnen, in denen ich abermals Take 4 höre und dann wieder Take 6 und dann wieder Take 1, ich weiß ja schon gar nicht mehr, wo mir die Ohren stehen vor lauter Arpeggios und Pluckereien, die monstergleich aus den Boxen strömen und mich einlullen und mir die Erinnerung an die Zukunft rauben, die Erinnerung an einen Plan. Your mother should know. Ich schalte von Musik zu Musik, alles nur noch random, alles nur noch beliebig und der verlockenden Macht des Zufalls unterworfen, den wir uns alle ja immer so gerne einreden, wenn die Erklärungen bocken wie die süßen Esel hinterm Zaun auf Inishboffin.

Irgendetwas passiert und ich lasse mich mitziehen, I am the eggman, I am the walrus, lasse mich mitziehen von etwas, das ich nicht kontrollieren kann. Konnte ich je etwas kontrollieren.

Asien ruft. Das Projekt verselbstständigt sich und übernimmt die Führung und lässt mich zurück in der Rolle des Zuschauers. Ich kann nur noch danke sagen und mich freuen wie der kleine Junge auf dem Foto, der Seifenblasen erschafft und sie ohne zu trauern platzen lässt, weil ihm gewiss ist, dass er unendlich viele erschaffen kann.


22 / 12 / 09

radio affair

Schnee. Mein Radio, das in der Küche, läuft Tag und Nacht. Ich erinnere mich nicht mehr, wann ich es das letzte Mal angeschaltet habe. Mein Radio ist kein lautes, es ist auch kein schönes, aber es ist, wie es ist. Und kann ich es etwa deswegen ausschalten? Ich habe mich daran gewöhnt, habe mich an das bunte Säuseln in der Küche gewöhnt, das sich Stunde um Stunde über die vergilbten Wände meiner Wohnung legt und ab und wann mir zuzwinkernd meine Ohrläppchen küsst.

13 / 12 / 09

...

bad blood for everybody

26 / 11 / 09

...



be good to yourself
be good to your heart

22 / 11 / 09

Damaskus

Ich möchte in Damaskus sein, aber warum. Ich habe auch noch nie ein Foto von Damaskus gesehen, stattdessen mal eine öffentlich-rechtliche Reportage über Studenten, die amerikanisch lesen und trinken. Vielleicht ist es nur ein Wort, das gefällt, weil es nach Orient klingt, nach Bazaaren und Suqs, Tee und Räucherwaren, nach Stoffen, gelb, blau und grün durchwirkt, nach Tabak und nach Kaffee. Weil es nach braunen Augen klingt und nach köstlich verbotenem schmeckt, wenn ich es über meine Lippen bringe. In Damaskus werde ich in einem schäbigen Hotel oder einem heruntergekommenen Apartement unterkriechen, in dem es gelb, braun und grün an den Wänden blättert und mein Mikrofon aus dem Fenster baumeln lassen, den ganzen Tag, die ganzen Nächte, die ganze Zeit. Es wird keine Uhrzeit geben, nicht für mich. Ich werde nur Auge und Ohr sein. Und kein einziges Wort.

Ein Traum. Das Aussprechen eines Traumes kann ihn zerstören und nur die wenigsten von ihnen überleben den Gang über die Zunge. Und vielleicht sind es gerade die unter ihnen, die dem Wort standhalten, die durch das Aussprechen nur noch machtvoller werden und gelebt werden wollen.

Status

Online seit 7228 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2, 22:17

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building buildings
everything in its right place
forget everything and remember
girl boy
nothing
offbeat
speed of sound
streets
the village
time, it's time
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