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und ob ich schon wandere im finsteren tal
ich wünschte ich könnte dir helfen, dir stab und stecken reichen, damit du nicht so schwer gehen musst. deine reise hat dich ins finstere tal geführt, tief ins dunkle bist du vorgedrungen, auf einem weg, den nur du gehen kannst. findest du den weg? wie du dich auch entscheiden wirst, es wird richtig sein.
sie dachten, es wäre gutartig und ohne komplikationen zu entfernen, sie haben dir zeit gegeben, damit du dich sammeln und mit deinen ängsten sprechen kannst. aber nun raten sie von einer operation ab, wollen erst ein loch durch deine schädeldecke bohren, damit sie gewebe entfernen können, weil sie nicht feststellen können, ob es doch bösartig ist und bei einer operation streuen könnte.
was wirst du tun? was WILLST du tun? mit dem scheißding in deinem kopf leben und medikamente nehmen, die dich sedieren und dir vielleicht doch nicht die grausamen krämpfe und anfälle nehmen? sie holen dich im schlaf, schütteln dich und lassen dich schreien. keiner weiß, wie schlimm es sein muss für dich, nicht mal du weißt es, weil du dich nicht an sie erinnern kannst. aber sie werden dich kaputt machen, nur wirst du es wohl nicht mal merken.
seid wie die kinder
sie sagt, dass du nicht in den tag kommst, findest das tageslicht nicht. bist schwach und sitzt am fenster und schaust nach draußen ins dunkle. du suchst die dunkelheit, schottest dich ab, versenkst dich. die nachbarskinder besuchen dich, bringen dir schokolade mit und setzen sich auf deinen schoß, deine augen leuchten, weil kinder so sind wie kinder sind.
...
ich sitze hier in berlin und kann dich erst am wochenende besuchen. weisst du, als ich neulich wieder nach hause gefahren bin, nachdem ich dich im krankenhaus besucht hatte, dachte ich eigentlich, dass es alles schon irgendwie wieder werden wird. hörte sich alles doch ganz gut an, tumor aber höchstwahrscheinlich gutartig, spezialklinik in hamburg, superarzt dort, der dir zuhört und zu dem du vertrauen entwickelst und der dich nicht als patienten abfertigt, sondern als ganzen menschen behandelt, einer der wahrnimmt und sieht, dem du alles sagen kannst, auch wie sehr du vor der operation angst hast.
mitte der woche nach hause, zu deiner frau und ja, langsam und ruhig auf die operation vorbereiten, du würdest schon sehen, es ist nicht so kompliziert, das sind nicht irgendwelche ärzte, nicht solche scheißarschlöcher, wie der, der damals bei der mandel-op die narkose versaut hat und dich die hölle hat erleben lassen.
davor hast du angst. das ist es, was du nicht erleben willst, dass du mitkriegst, wie dir der schädel geöffnet wird, weil die narkose wieder versagt. und dass sie das blut nicht stoppen können, wie damals, weil es nicht gerinnt.
ja, wer würde sich das noch einmal antun wollen? niemand. und doch hast du angefangen, dich damit auseinanderzusetzen. weil du spürst, dass du dem arzt vertrauen kannst und sie auf alles achten werden, alles berücksichtigen werden. weisst du, das hat mich so sehr beeindruckt, dass du dich dieser angst vielleicht stellen würdest.
aber nun seit sonnabend weiß ich, dass es nicht so einfach sein wird. wie dunkel und müde ihre stimme am telefon war, während du am fenster saßest und dich in die dunkelheit versenkt hast. soviel hat sie nun zu tragen. ich wünsche ihr alles an gutem, was man einem menschen wünschen kann.
bis bald mein lieber, gehe noch nicht ganz