gehen

(gestern am abend, mittwoch)

draußen. dunkel. gehen.

deine schwester hat mit einer stimme auf den anrufbeantworter gesprochen, die mich bereuen ließ, dass ich dieses ding habe. es gibt anrufe, die man nicht beantworten will, weil sie beantwortet werden müssen. ich frage ist etwas passiert und höre es ist etwas passiert.
du gehst schneller als ich dich vor kurzem noch zu gehen sehen glaubte.

wenige tage nach frühlingsanfang. die heide wartet unter harschen schneeschichten, die unter unseren schritten krachend nachgeben und schutzlos dem tauwetter ausgesetzt sind. wir müssen aufpassen, dass wir nicht rutschen, es ist wirklich nicht ganz ungefährlich auf dem schneewasser. aber der hund freut sich, jagt den fliegenden stöckern hinter und reißt inbrünstig schneebälle, die über seinem kopf abtauchen. du liebst den hund, du sagst er ist ein den menschen zugewandtes tier und freust dich an ihm. später dann an dem tag ist in mir weggetaut, was lange nicht schmelzen konnte.

ich gehe die danziger entlang, biege kurz in die kollwitzstraße. der hund jagt einer leeren plastikflasche hinterher, als mir ein mann in deinem alter entgegenkommt, der sich ob seines ausbrechenden rülpsens etwas verschämt aber belustigt einer reaktion von mir versichern zu wollen scheint. ist schon gut sagt ihm mein gesicht, ich finde sie nicht lächerlich. und frage mich im weitergehen, was ich empfinden werde, wenn ich dich wiedersehe, nun da nicht nur dein kopf seine auszeiten nimmt, sondern auch dein körper schwächer wird.

das lila der heide wird längst verblichen sein. sie ist schön, schöner ist sie, wenn sie nicht zur schau steht, wenn sie nicht ihrer blütenpracht wegen bewandert und bestaunt wird. schafstall, heidschnucken, teehaus, alles eigentlich nur tand, aber diese vielen sorten grün gelb und braun, die da sind, die sind besonders.



(jetzt am abend, donnerstag)

hast du je bei deinen spaziergängen einen gesehen, der verblühte heide rupft? sie reißen und zerren an ihr, wenn sie vor leben zu strotzen scheint, sie wollen das lila in ihren vier wänden haben, sie wollen ihre vier wände mit leben schmücken, und wenn das lila zu bräune vergeht, entdecken sie, dass schmuck leblos ist.

es ist nicht das, was es gestern noch zu sein schien. es war nicht einer der kleinen schläge im kopf, die dich in den letzten jahren mehr und mehr geschwächt haben. in deinem kopf wuchert etwas, das nicht wuchern sollte, nicht bei dir, bei niemandem.

am wochenende fahre ich zu dir, hund kommt natürlich mit. kann dann die heide nicht doch noch ein wenig lila sein?

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und auf ihrer seite
ein mehr als blinder schiedsrichter, gegen Ö genauso...
weirdsista - Juni 21, 17:49
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Nilla - Juni 9, 13:19
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pollon - Februar 29, 00:58
Willkommen im Club!
Ich kenne diese Zustände nur zu gut! Tröstliches...
Randolph Carter - Februar 29, 00:36
Und deshalb eben besser...
Und deshalb eben besser nicht... Es gibt immer auch...
FrauH. (anonym) - Februar 24, 13:42
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Ja, den Sampler habe ich auch vermutet, nicht alles...
pollon - Februar 20, 21:58
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fehlte es (zumindest in Hamburg) auch an Dynamik. Vieles...
klar.text - Februar 20, 14:57

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